Neulich im Konzert …

von Thomas on Montag, 23.Februar 2009 – 06:56 -

Kennt Ihr das auch? Man geht am Wochenende in den Club um ein Konzert zu sehen. Verspricht sich einige Stunden entspannte und ungetrübter Unterhaltung und kommt schlussendlich mit einem dicken Hals nach Hause.

Aber der Reihe nach: das Wochenprogrammheft verrät, es gibt Kingston Kitchen – die Eingeweihten unter uns wissen, dass es sich hier um eine Kooperation der Rotterdam Ska-Jazz Foundation mit unserem Lokal-Matador Dr. Ring-Ding handelt. Die Fachpresse beschreibt ihre Musik als “eine feine Mischung aus Eigenkompositionen die an das Jamaika der sechziger Jahre erinnern, verfeinert mit mal russischem, mal texanischem Flair, angefeuert von der Hitze der funkigen Karibik und durchtränkt von einer souligen Las Vegas-Atmosphäre.” Das verspricht Party pur! (Und ehe ich hier weitergehe, nur so viel: die Band war klasse. Wenn die in der Nähe eures Heimatortes spielen, geht hin!)

Bildquelle: Kingston Kitchen Official Web Pages
Bildquelle: Kingston Kitchen Official Web Pages

Da wir noch im Besitz von Freikarten für ein Konzert unserer Wahl hatten, sind wir also kurz entschlossen und in allerbester Feierlaune in den Club marschiert, wo wir uns auch direkt – mit einem alkolischen Kaltgetränk versorgt – in der ersten Reihe aufbauen. Zum einen wegen unserer niedrigen Bauhöhe und zum zweiten, weil man – gerade bei handgemachter Musik – die Band auch sehen will! Andere Menschen mit ähnlichen Ambitionen folgen unserem Beispiel. Die Band beginnt zu spielen – direkt Vollgas von Anfang an. Menschen wippen mit den Füßen, die ersten beginnen sich im Takt der Musik zu bewegen. Ausgelassene Feierlaune macht sich breit.

Bis irgendwann dieser langhaarige Bombenleger Mensch seine gut 185 cm mit dieser “Ich muss ja Fotos für die lokale Berichterstattung machen”-Masche vor uns schiebt und auch gleich das Knipsen beginnt. Hat man ja Verständnis, der Mann muss ja arbeiten, da hilft man doch gerne.

Nur: der ging gar nicht mehr weg. Neben der Fotografie fand er auch Gefallen am Tanz, hatte seinen ganz eigenen Spaß, da so direkt vor uns, der ersten Reihe, und fing über den Verlauf des Abends langsam aber sicher an, wie ein Puma nach Schweiß zu stinken. Durch Einwände von uns und mindestens zehn anderen um uns umher stehenden, zunehmend agressiver im Tonfall werdenden Menschen, ließ er sich in seinem Tun nicht beirren und nur zu dem lapideren Satz bewegen, er wisse nicht was wir wollen, er könne ja nichts dafür, das er “so groß” sei. Und von hinten könne er ja nun schlecht seine Fotos machen. Um dem auch gleich Nachdruck zu verleihen, drückte er einige weitere Male auf den Auslöser, um einem bereits vorhandenen Motiv weitere, kaum unterscheidbare Varianten hinzuzufügen.

Um meine Gefühlslage zu umschreiben, greife ich zu folgendem Zitat: “Ärgerrr! Wut! Spei”! ;-) Anders gesagt: da waren durchaus noch mehr Fotografenkollegen, die ihr Tagewerk verrichteten und sich danach dezent an die Seite verzogen, um den Menschen, die ihnen Ihre Arbeit für einen Moment erleichterten, weiterhin einen ungetrübten Konzertgenuss zu ermöglichen. Das ist normaler menschlicher Umgang, so gehört sich das, das ist professionell!

Und jetzt mal unter uns – so von Profi zu Profi – wenn du dein Bild nach einer Viertelstunde noch nicht in der Tasche hast, dann hast Du’s eh nicht drauf!


Tags: , , , ,
Veröffentlicht in Musik, My 2 Cents, Münster Kultur | 2 Kommentare »
RSS